KatrinSteuerberaterin
FischerWirtschaftsprüferin

Historische Steuern

Die Geschichte der Steuern ist die Geschichte der Steuerzahlung. Bereits vor 150 Jahren in den 1860ern hatte der Berliner Bürger mit der Steuerzahlung so seine liebe Not, was nachfolgende Erzählung eines Berliner Bauunternehmers aus dem Jahr 1909 sehr deutlich macht:

"Die Steuerzahlungs-Einrichtungen waren von 30-40 Jahren sehr mangelhaft. Während die Staatssteuern, namentlich die Gewerbesteuer an einem vorher bestimmten Tage direkt bei den Königlichen Aemtern eingezahlt werden mussten, wurden die städtischen Steuern, Haus- und Mietssteuern, durch Steuererheber eingezogen. Ein überkluger, von seiner Würde durchdrungener Herr war an meiner, eine Treppe hoch belegenen Wohnungstür, um die Steuer zu erheben, gerade als ich auf dem Hofe des Hauses mit Arbeitern beschäftigt war. Ich sah ihn durch das offenstehende Flurfenster an der Wohnungstüre stehen und bat ihn, wenn er von oben nach dem Hofe herunterkommen sollte, um ins Seitengebäude zu gehen, mir den Steuerzettel auf dem Hofe zu geben. Er meinte, das brauche er nicht, ich müsse zu ihm heraufkommen. Als er nach einigen Minuten nach dem Hofe kam, gab er mir den Steuerzettel nicht, dagegen hatte er einen Mahnzettel schon abgegeben. Auf meine Beschwerde an seine Vorgesetzten gaben ihm diese recht. Ich müsste die Steuern an der Stelle zahlen, für die sie ausgeschrieben seien. Auf meine Beschwerde an den vorgesetzten Oberpräsidenten, - den Magistrat anzuhalten eine Kasse zu bestimmen, bei der die Steuern auch im Voraus eingezahlt weden könnten, weil in Ausführung des Verlangens der Steuerbehörde ein Mann, der an verschiedenen Stellen der Stadt dreissig Aecker gepachtet hätte, dann ja alle Tage als Vogelscheuche auf den Aeckern stehen, also steuerunfähig werden müsste, bis es dem Herrn Steuererheber zu kommen gefiele, - das Verlangen der Steuerbehörde also unausführbar sei, musste die Stadt Berlin für ihre Steuerzahler erst eine, jetzt viele Steuer-Annahme-Stellen einrichten, an denen auch die Steuern im Voraus bezahlt werden können. Jetzt ist die Steuerbehörde zufrieden, wenn sie die Steuern in der Geschäftszeit bei dem ihr angezeigten Bankhaus in Empfang nehmen kann."

Aus Carl Ludwig Zeitler, "Erinnerungen eines Berliners aus den letzten 70 Jahren des 19. Jahrhunderts", 1909

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